Merkel: Wir brauchen auch in Zukunft Kohle als Energieträger
BER - 26.05.08 - Anlässlich der BDI-Infrastrukturkonferenz in Berlin erklärte Bundeskanzlerin Merkel, ein Ausstieg aus Atom- und Kohlekraft sei nicht denkbar. Quer durch alle Bereiche - Energie, Verkehr, Telekommunikation - droht laut BDI ein Engpass für das künftige Wirtschaftswachstum.
Zur BDI-Infrastrukturkonferenz legte der BDI eine neue Studie vor. "Sie belegt eindrucksvoll den positiven Zusammenhang zwischen dem Ausbau einer leistungsfähigen Infrastruktur und künftigem Wirtschaftswachstum", kommentierte Schnappauf. "Demnach bewirken zehn Prozent mehr staatliche Investitionen in die Infrastruktur eine langfristige Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um mindestens einen Prozentpunkt. Das heißt aktuell 24 Milliarden Euro mehr Wohlstand pro Jahr - und neue Arbeitsplätze", sagte der BDI-Hauptgeschäftsführer. Die Studie "Bedeutung der Infrastrukturen im internationalen Standortwettbewerb und ihre Lage in Deutschland" wurde erstellt unter Leitung von Prof. Dr. Ulrich van Suntum, Direktor des "Centrums für angewandte Wirtschaftsforschung" der Universität Münster.
Unterfinanzierung offenkundig
"Tatsächlich werden die Staus auf deutschen Straßen, die Widerstände gegen den Ausbau von Kraftwerken und Stromleitungen zunehmend zu einem Risiko für die künftige Weltmarktfähigkeit Deutschlands", warnte Schnappauf. Die staatlichen Investitionen sind laut der Studie der Universität Münster in den zurückliegenden Jahren immer mehr auf einen mageren Restposten zusammengeschrumpft. "2007 betrug die Netto-Investitionsquote des Bundes nur noch 1,5 Prozent", stellen die Wissenschaftler fest."Die stiefmütterliche Behandlung der Infrastrukturen muss ein Ende haben. Dabei geht es nicht nur um zusätzliche Investitionen des Staates, sondern auch um verlässliche Rahmenbedingungen für private Investitionen", betonte Schnappauf. "Wenn wir heute notwendige Investitionen und Weichenstellungen unterlassen, verschieben wir Lasten in die Zukunft. Das sind Kosten, die wir unseren Kindern aufbürden. Und versäumte Reparaturen nachzuholen ist immer teurer, als sie rechtzeitig anzupacken."
Im Energiesektor brauche Deutschland dringend einen neuen Konsensüber die Notwendigkeit und Entwicklung der Infrastruktur. "Alle wollen sicheren und bezahlbaren Strom. Das setzt voraus, dass unser Land die Widerstände gegen moderne Kohlekraftwerke überwindet. Es ist unmöglich, Kernkraftwerke abzuschalten und gleichzeitig neue Kohlekraftwerke abzulehnen. Neue Kraftwerke sind wesentlich klimaschonender als die alten. Bund und Länder müssen eine Aufklärungskampagne starten. Sie muss den Menschen klipp und klar erklären, woher der Strom in Zukunft kommen soll", betonte Schnappauf."Auch der Netzausbau muss beschleunigt werden", forderte derBDI-Hauptgeschäftsführer.
Der rasante Ausbau von erneuerbaren Energien brauche leistungsstarke Netze. "Die Verfahren für moderne Stromnetze müssen radikal vereinfacht und beschleunigt werden, um den im Norden produzierten Windstrom in die Mitte und den Süden Deutschlands transportieren zu können."
Merkel sieht Kohle als sichere Energiequelle
Die Bundeskanzlerin hob hervor, dass Deutschland trotz der Unterfinanzierung noch immer gut aufgestellt sei. "Ohne eine gute Infrastruktur wäre Deutschland nicht Exportweltmeister", so Merkel. Zum künftigen Energiemix sagte Merkel: "Wer glaubt, er kann gleichzeitig aus Kohle und Atomkraft aussteigen, macht Deutschland in hohem Maße vom Ausland abhängig und fügt dem Land Schaden zu." Kohle sei ein noch lange reichender und somit eher preisstabiler Energieträger. (PI BDI u.a.)
