Erste Citymap fĂĽr Solarenergie vorgestellt
Donnerstag 25. September 2008Auf deutschen Dächern dämmert immer noch ein riesiges Potenzial zur Energieerzeugung vor sich hin. Viele Dachflächen sind für Solaranlagen geeignet, meist können die Eigner den möglichen Stromertrag aber nicht einschätzen. In Osnabrück ist das möglich. Dort wurde das Sonnenpotenzial für die gesamte Dachlandschaft ermittelt. Jetzt stehen hausnummerngenaue Daten zu Eignung und potenziellem Stromertrag zur Verfügung.
Möglich machte das das Forschungsprojekt SUN-AREA der ortsansässigen Fachhochschule, das Ende Februar auslief. Die Forscher um Prof. Martina Klärle entwickelten in diesem Projekt für die Modellregion eine Methode, mit der vollautomatisch ein flächendeckendes Solarkataster erstellt werden kann. Grundlage dafür sind Geländedaten, die bei Vermessungsflügen über dem Osnabrücker Stadtgebiet gewonnen wurden.
Diese hochauflösenden Laserscannerdaten weisen eine Punktdichte von vier Punkten pro Quadratmeter auf. Das von den Forschern entwickelte Verfahren ermöglicht zudem die Darstellung von Höhenunterschieden bis zu einer Genauigkeit von etwa 15 Zentimetern. „Dadurch können wir ein dreidimensionales Oberflächenmodell errechnen “, erklärt Projektmitarbeiterin Dorothea Ludwig.
Die Genauigkeit der Daten ermöglicht die Erfassung kleinster Strukturen auf Dachflächen wie etwa Schornsteine oder Gauben. „So können wir die Form, Neigung, Ausrichtung und Verschattung jeder Dachfläche ermitteln“, sagt Ludwig. Daraus lasse sich dann das Solarenergiepotenzial in Form von Einstrahlungsenergie errechnen, ebenso der mögliche Stromertrag, die CO2-Einsparung und das nötige Investitionsvolumen. In der Modellregion Osnabrück wurden 70.000 Dächer erfasst, die Ergebnisse stehen online als interaktive Karte zur Verfügung. Unterschiedliche Farben geben dabei jeweils Aufschluss über die Eignung.
Das Potenzial für die Sonnenkraft in Osnabrück ist laut Ludwig enorm: Auf 27.500 Gebäuden seien insgesamt zwei Quadratkilometer Dachfläche für die Photovoltaik-Nutzung optimal geeignet. „Allein über diese Fläche könnten 249.000 Megawattstunden Strom im Jahr gewonnen werden, der derzeitige Strombedarf aller Privathaushalte von Osnabrück in Höhe von 233.000 Megawattstunden könnte so mehr als vollständig gedeckt werden“, rechnet die Ingenieurin vor. In einigen Kommunen haben sich diese eindrucksvollen Zahlen bereits herumgesprochen. Das Projekt SUN-AREA macht daher mit Auftragsforschungen weiter. „In Gelsenkirchen und Braunschweig haben wir das Solarenergiepotenzial bereits vermessen“, sagt Ludwig.
Die Stadt Osnabrück selbst hat nach Abschluss des Projektes SUN-AREA ein eigenes Beratungsprojekt initiiert, um das größte Investitionshemmnis – das Informationsdefizit der Eigentümer – anzugehen. 200 Privatleute und Gewerbetreibende mit sehr gut geeigneten Dächern wies die Stadt schriftlich auf den unerschlossenen Energieschatz hin, den Hausherren wurde zudem eine kostenlose Beratung durch Fachleute angeboten.
„Von den 200 Angeschriebenen wollten sich 70 beraten lassen, davon wiederum haben 80 Prozent vor, sich ein Angebot einzuholen“, sagt Detlef Gerdts, Fachbereichsleuter Umwelt bei der Stadt Osnabrück. „Wenn aus diesen eingeholten Angeboten tatsächlich unterschriebene Verträge werden, könnte das Investitionen in Höhe von 15 Millionen Euro nach sich ziehen.“ Momentan arbeitet die Stadt an der Evaluierung des Beratungsprojektes. Wenn die Ergebnisse überzeugen, soll ein Großversuch starten. Die grundsätzliche Marschrichtung ist schon klar. „Wir wollen möglichst viele Solaranlagen auf den Dächern Osnabrücks“, so Gerdts. (Nachhaltigkeitsrat)